Die Gartenstadt

Mit der Errichtung des Rangierbahnhofs auf Weiler Gemarkung zwischen den Jahren 1905 + 1913 und
der Inbetriebnahme des Bahnbetriebswerks im Frühjahr 1912 entstand die Notwendigkeit, die Eisenbahner, die bis dahin in Basel arbeiteten und wohnten, in der Nähe ihres neuen Arbeitsplatzes mit Wohnraum zu versorgen. Für die beiden
Gartenstädte in Haltingen und Weil am Rhein schrieb die „Gemeinnützige Baugenossenschaft Haltingen-Weil“ einen Wettbewerb aus. Im März 1914 wurde für die Leopoldshöhe der Entwurf von Adolf Lorenz in der Philosophie einer Gartenstadt ausgewählt. Die Gartenstädte waren der architektonische und gesellschaftliche Gegenentwurf zu den Arbeitervierteln in den Industriestädten der Gründerzeit: statt der beengten, unhygienischen Wohnverhältnisse bei unverhältnismäßig hohen Mieten sollte den einkommensschwachen Bevölkerungsschichten, in Weil am Rhein, die Eisenbahner, gesundes und preiswertes Wohnen ermöglicht werden. Bereits Anfang 1915 wurde mit dem Bau der Gartenstadt Leopoldshöhe begonnen, im selben Jahr waren bereits die ersten 32 Wohneinheiten fertig gestellt. Die Siedlungshäuser zeichneten sich durch eine klare, zweckmäßige Formgebung aus.

Die Typisierung von Bauteilen und Gebäuden ermöglichten eine rationelle, kostengünstige Bauausführung.
Die 2-geschossigen Doppel- und Reihenhäuser entstanden in einem orthogonalem Straßenraster und erfüllten
mit ihren großzügigen Gartenanlagen in hervorragender Weise die Anforderungen an die Gartenstadt. Im Innern
wiesen die Häuser eine klare Grundrisseinteilung auf. Im Erdgeschoss lagen Stube und Küche, im Ober-
geschoss 2 Schlafräume. Alle Häuser waren unterkellert (Keller und Waschküche). Zum Garten schloss an das
Haus ein holzverschalter Schopf mit Abort und ursprünglich zum Teil mit Ställen zur kleinen Tierhaltung an. In den
Jahren 1919 – 1920 wurden weitere 72 Wohnungseinheiten, dazu ein Genossenschaftshaus mit 4 Wohnungen
und Konsum-Verkaufsgeschäft errichtet. In einer weiteren Bauphase in den 30iger Jahren kamen als Besonder-
heit lang gestreckte Hauszeilen mit 12 bzw. 16 Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser hinzu. Es folgte schließlich
auch die Einrichtung des Marktplatzes und die Errichtung eines Kindergartens sowie der Leopoldschule mit
Sporthalle und Volksbad.

Aufgrund der besonderen städtebaulichen und sozialen Struktur, die bis in die 90iger Jahre gehalten werden
konnte, wurde die Gartenstadt Leopoldshöhe vom Landesdenkmalamt als Sachgesamtheit 1990 unter Denkmal-
schutz gestellt.

Im Zuge eines Landessanierungsprogramms im Vorfeld der Landesgartenschau gelang es der Stadt Weil am Rhein einige Straßenzüge (Markt-/Gartenstraße) und Plätze (Markt-/ Hebelplatz, Platz an der Leopoldschule) wieder im Sinne der Gartenstadt zu rekonstruieren und wichtige Wohnumfeldmaßnahmen durchzuführen. Mit erheblichem Finanzaufwand wurde auch der Wohnungsbestand modernisiert und die Hausfassaden ansprechend neu gestaltet. Die Gartenstadt Leopoldshöhe gilt heute in Kreisen des Städtebaus für ein herausragendes Beispiel der deutschen Gartenstadtbewegung und genießt in der Stadtplanung einen äußerst hohen Stellenwert.

Gartenstadt
 
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