Urban Art

Bayerstraße in Friedlingen

Bislang sind bei dem städtischen Urban-Art-Projekt in Friedlingen vier Fassaden-Projekte realisiert worden, die in Zusammenarbeit mit Künstlern der colab gallery entstanden sind. Mit den Rio-Säulen aus dem Jahr 1996 und der immer wieder neu gestalteten Graffiti-Mauer in der Blauenstraße sind damit fünf „Hotspots“ für Urban Art in Friedlingen entstanden.

Die drei Giebelwände in der Bayerstraße bilden eine direkte Verbindung zwischen dem Kulturzentrum Kesselhaus und der colab gallery. Die Häuser gehören dem Wohnungsbau-Konzern Annington - ideale Flächen für „murals“.

Raphael Borer und Lukas Oberer (2014): Bayerstraße 4

Im Jahr 2014 wurde dieses Projekt begonnen mit dem mittleren Haus Bayerstraße 4; die beiden Schweizer Künstler der „Backstube Leuchtkraft“, Raphael Borer und Lukas Oberer, haben diese Wand abstrakt farbig gestaltet. Beide hatten zwischenzeitlich auch im Auftrag der Stadt die Unterführung unter der Hauptstraße auf Höhe des Berliner Platzes künstlerisch gestaltet – leider hatte die farbenprächtige Ausmalung leider nicht die erwünschte Wirkung: die Unterführung wurde nach wie vor zweckentfremdet und musste inzwischen geschlossen werden.
Ihre Passion für Malerei entdeckten Raphael Borer (geb. 1984) und Lukas Oberer (geb.1982) bereits in jungen Jahren. Das Medium Graffiti bestimmt die Jugend der beiden gebürtigen Basler und prägt ihren künstlerischen Werdegang. Experimentierfreudigkeit und das ständige Ausloten der Grenzen ihrer Sujets bilden die Basis des kollektiven Austausches. Ihre Werke sind heute weit über die Schweizer Grenzen heraus bekannt und über den gesamten Globus verteilt zu finden.
Erste gemeinsame Studioarbeiten entstehen 2007 in ihrem Atelier. Von 2013 bis 2019 arbeiteten sie im Kesselhaus. Obwohl beide Künstler ihre eigenen Stile entwickeln, entscheiden sie sich immer wieder für gemeinsame Arbeiten auf ein und demselben Medium.
Auf der Suche nach einer übergeordneten Einheit zweier unterschiedlicher Kompositionen machen sie sich optische Techniken zueigen, wie beispielsweise das Lentikular-Raster. Die Parallelität zweier ausnahmslos individueller Arbeiten erschafft dabei eine neue Gesamtkomposition.
Ein Großteil ihrer Arbeiten findet sich auch heute noch im urbanen Raum. Um dem oft einengenden Format der Leinwände zu entfliehen, greift das Kollektiv auf Fassadenmalerei zurück. Dabei erhalten Farben und Formen den nötigen Platz und stehen im Dialog mit Raum und Zeit.

Foto: Künstler
Foto: Künstler
 

SAINER (2015): Bayerstraße 6

Im Jahr 2015 hat der polnische Künstler Przemek Blejzyk (Künstlername "Sainer") das Haus Bayerstraße 2 bemalt. Das Motiv zeigt einen Baseballspieler, der eine "Glücksgranate" wirft.
Als eine Hälfte des Kollektivs „ETAM CRU“ begeistert der 1988 in Lodz geborene SAINER schon seit Jahren Urbanart- und Streetart-Liebhaber auf der ganzen Welt durch seine figürlichen Arbeiten. Seit 2010 stellte SAINER seine Arbeiten auf zahlreichen erfolgreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten Galerien und Museen aus, u.a. in der Thinkspace Gallery in Los Angeles und im Museum of Art in Honolulu. Seine illustrativen Fantasiewelten erzeugen eine ganz eigene melancholische Stimmung, oft gepaart mit humorvollen oder unerwarteten Elementen, in einer perfekt ausgeführten Mischung aus Comic und Realität. Ob in seinem Heimatland Polen oder auf internationaler (Hebe-)Bühne.

Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick
 

Mark Gmehling (2016): Bayerstraße 2

Mark Gmehling gestaltete mit "Uba-happy" die abstrakte Wiedergabe eines Gesichtes, das mit breitem Grinsen und herzlich geöffneten Lippen eine rundum glückliche Befindlichkeit ausstrahlen soll.

Mark Gmehling, Jahrgang 1974, ist so etwas wie ein Übersprungskünstler. In den ersten Jahren seiner jungen Karriere war der gebürtige Dortmunder künstlerisch hauptsächlich mit Sprühdosen unterwegs. Seine Werke waren laut, grellbunt und ebenso subversiv wie der Künstler selbst - eine Mischung aus Cool Kid und Underdog. Doch als er begann, nach dem Studium von seiner Kunst zu leben, erlebte er seine ganz persönliche Wende.
Sprühdosen sind für Mark noch heute ein wichtiges Werkzeug. Seine Werke spiegeln ein absolut planvolles Vorgehen wider und sind durchdrungen von künstlerischer Konzeption und feinsinniger Ästhetik.
Die Streetart alleine hätte die Basis für ein erfülltes Künstlerleben bieten können, doch einem wie Mark reicht diese Ausdrucksform noch nicht aus, um sein ganzes Schaffensspektrum zu zeigen. Während seines Grafikdesign-Studiums in Dortmund entdeckte er ein weiteres Werkzeug, das seine künstlerische Karriere schlagartig erweiterte: Die Umsetzung seiner Sujets mit Cinema 4D. Auch wenn es auf den ersten Blick keinen Zusammenhang zwischen Streetart und 3D-Modellierung gibt, so fällt doch der Versuch vieler Graffiti-Künstler ins Auge, ihre Werke ganz besonders plastisch erscheinen zu lassen.
Schatten, gemalte Extrusionen und eine klar erkennbare Perspektive sind häufig anzutreffende Merkmale vieler Streetart-Werke. Für Mark Gmehling ist das Gestalten seiner Wandmalereien allerdings weit mehr als angewandte Kunst. "Neben der Arbeit am Computer, die geprägt ist von Entscheidungen, die alle drei Sekunden gefällt werden müssen, bedeutet das Gestalten eines Murals (Wandmalerei) für mich eine Art Entspannung und Meditation. Da der Rechner ja nun am Schluss rendert, fehlt mir dieser meditative Vorgang, von dem die analoge Malerei geprägt ist." Der Sprayer war rundum fasziniert von der 3D-Welt, und so verwundert es wenig, dass Mark sich tief in die Materie der 3D-Modellierung stürzte, als er während des Studiums mit unterschiedlichen 3D-Programmen in Kontakt kam.
Beim Austesten jeder verfügbaren Demoversion fand er allerdings heraus, dass es eine Software gibt, die sich deutlich von allen anderen Anbietern unterscheidet: Das Arbeiten mit Cinema 4D erschien ihm am intuitivsten.
Nach einer kurzen Angestellten-Phase in verschiedenen Hamburger Werbeagenturen machte Mark sich selbständig. Heute ist er nicht nur als 3D-Illustrator und international gefragter Künstler tätig, sondern er gibt sein Wissen auch als Dozent an der Dortmunder Medienakademie WAM (We Are Media) weiter.

Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick
 

Hinter den Pseudonymen „Swet“ und „CMP One“ verbergen sich die dänischen Künstler William Hjorth und Claus Michael Pedersen. Hjorth gehört seit den 80er-Jahren der internationalen Graffiti-Szene an. Pedersen startete seine künstlerische Karriere ebenfalls Mitte der 80er-Jahre – insbesondere als Graffiti-Writer. Er setzte unter anderem Akzente in Sydney, New York und München.
Mit Fassadenfarbe und Pinsel haben die beiden Künstler eine Szene in Amerika gestaltet:: ein junger Mann sitzt am Bahnhof, auf der anderen Seite nähert sich ein Zug. „Er wartet auf das Graffiti, das mit dem Zug kommt“, sagte Hjorth mit einem Augenzwinkern. Den Künstlern geht es darum, daran zu erinnern, wo diese Art der Kunst und auch Kultur ihren Ursprung hatte und von wo sie überhaupt kommt.


Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick
 

Rio-Säulen (Claudio Francia, Andrea Brombacher): 1994

Für das Kulturamt passte das Urban-Art-Projekt sehr gut in ein langfristiges Konzept, das seit 1994 verfolgt wird. Im Jahr der Eröffnung der Ateliers im Kesselhaus wurden der chilenische Künstler Claudio Francia und die deutsche Künstlerin Andrea Brombacher (heute Costa Rica) beauftragt, sechs Säulen unter der Autobahn nach Motiven der Umweltkonferenz von Rio 1992 zu gestalten. Jugendliche aus der Nachbarschaft der Hardstraße wurden einbezogen.
Die 1480 Meter lange Autobahnbrücke zwischen Friedlingen und Basel,von der sich 500 Meter direkt an der Grenze zur Schweiz auf deutschem Gebiet, aber im Besitz der Schweizer Nachbarn befinden, eignete sich besonders durch seine Lage für ein frühes Urban-Art-Projekt. „terre des hommes Markgräflerland“ hatte den Impuls gegeben, den das Kulturamt Weil am Rhein gerne aufgriff.
Die Ziele der Konferenz von Rio 1992 für einen lebenswerten Erhalt des Planeten sollten in Bildern veranschaulicht werden. Die Motive zeigen einige der Themen des Aktionsprogramms Agenda 21 der Rio-Konferenz, wie Wasser, Kinder der Welt, Naturvernichtung durch Bodenversiegelung, Brandsäule Regenwald, Verkehr und Natur, Verständigung zwischen Kulturen, Kinderarbeit und Flüchtlinge.

Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick
 

Südwände Haus der Volksbildung, 2014 - Patrick Luetzelschwab

Der 2020 mit dem Markgräfler Kunstpreis ausgezeichnete Weiler Künstler Patrick Luetzelschwab hatte mit seinem Atelier im Kesselhaus den Standort auch für einige weitere wichtige Urban-Art-Künstler interessant gemacht. Seinen anfänglichen Atelier-Partner Stefan Winterle zum Beispiel, den späteren Kurator der Colab Gallery. Den international größten Ruf hatte sich aber der 2010 gestorbene Künstler Sigi von Koeding alias Dare erworben. Als etwa Ende der 80er Jahre diese damals ungeheuerliche Kunstform nach Europa herüberschwappte, war der in Basel geborene von Koeding ein zentraler Wegbereiter für den deutschsprachigen Raum. Als Brückenbauer organisierte Dare mit dem Briten Bansky 2002 zum Beispiel die ersten Streetart-Ausstellungen in Hamburg und London.
Die Freunde Luetzelschwab und Koeding hatten bereits vorher gemeinsam Graffiti-Arbeiten in den Neunzigerjahren gestaltet, später unter anderem die künstlerische Gestaltung der Südwand des Hauses der Volksbildung, nachdem die Glaswand von Rudolf Scheurer aus Sicherheitsgründen abgebaut werden musste. Doch die Urban-Art-Motive der beiden verblassten mit der Zeit. Luetzelschwab hatte inzwischen Techniken für großflächige Gestaltungen entwickelt, die er bei vielen privaten und öffentlichen Aufträgen umsetzte. Deshalb erhielt er auch den Auftrag, eine neue Wandgestaltung für das Gebäude der Volkshochschule zu konzipieren. Er verwob das Corporate Design der deutschen Volkshochschulen mit emblematischen Motiven der Stadt Weil am Rhein, vom Tram8 bis zum Stapflehus. Auf der westlichen Wand bildete er in poppigen Bubbles typische Themen der Bildungsinhalte ab.
Patrick Luetzelschwab begleitete auch kunstpädagogische Projekte wie die Gestaltung des Pfufferspeichers für das Nahwärmenetz hinter der Weiler Gemeinschaftsschule. Von Luetzelschwab und Winterle ist eine Mauergestaltung in Alt-Weil zu sehen mit dem Titel "Öchsle-Wetter". Genauso wie beim Haus der Volksbildung handelt es sich Auftragsarbeiten.

Foto: Künstler
Foto: Künstler
Foto: Künstler
Foto: Künstler
 

Graffiti an der Nordwestumfahrung

An der Unterführung der Nordwestumfahrung in Haltingen sind seit November 2019 bunte Graffitis zu sehen, die in Kooperation der Stadt Weil am Rhein mit acht Künstlern aus der Region entstanden sind. Die Gruppe hat bereits am Hochrhein mehrere Graffiti-Projekte umgesetzt.

Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick

Urban Art in Ötlingen

Im Rahmen des ART Dorf Ötlingen ist im Jahr 2019 an der Dorfstraße ein Gemeinschaftsprojekt der Graffiti-Künstler Stefan Winterle und Wolfgang Krell entstanden, das einen bunten Vogel zeigt. Stefan Winterle ist seit 2010 Kurator der Colab Gallery in Friedlingen und hat 2011 den Markgräfler Kunstpreis erhalten. Er betreibt gleichzeitig eine Galerie an der Dorfstraße 85A in Ötlingen.
Foto: Tonio Paßlick
Foto: Tonio Paßlick

BLÄSERFESTIVAL

25.06.-27.06.2020
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KIESWERK OPEN AIR

30.07.-09.08.2020
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KONTAKT

Stadt Weil am Rhein - Kulturamt
Humboldtstraße 2 - 79576 Weil am Rhein

Tonio Paßlick
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07621 / 704-410

 

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